Vorwort


Ahoi!
Das Internet wäre auch dann nicht offen und frei (sowieso: wovon eigentlich?), wenn es keine willkürlichen=eigentumsrechtlichen Schranken hätte. Das Internet ist kein Archiv im eigentlichen Sinn des Wortes, beinhaltend eine geordnete Struktur seiner Information. Es hat die Struktur eines Müllfeldes von unübersehbarer Größe und Dimension. Die Hyperverlinkung erweitert die Dimensionalität, aber nicht notwendigerweise die Möglichkeiten der Erkenntnis. Innerhalb des Müllfeldes finden sich inhaltlich strukturierte Teile, Archive im echten Sinn des Wortes. Oft sind diese hier so genannten, aber nicht unbedingt als solche erstellten, Archive auseinandergerissen wie die Datei eines Dokuments auf einer Festplatte. Hier ein bisschen, da ein bisschen, dazwischen Schimmel, Gestank und Langeweile. Ein künftiger an Geschichte Interessierter kann wie ein ein Archäologe im Grabungsfeld nicht die Spreu vom Weizen trennen, weil beide beides zum Zeitpunkt des Auffindens nicht unterscheiden können. Wem gehört das Internet? Wem gehörte die Post? Gab Sire Gedankenfreiheit? Wichtiger noch als "wem gehört" ist "warum sollte es so sein". Solange alles immer gehört, legt das Mittel den Zweck lahm. Erst wenn kein Eigentum mehr existiert, sind Gedanken nicht mehr subversiv. Gedanken, die vorher nicht subversiv waren, sind keine Gedanken, sondern Papageienreflexe: Retro-Viren, bedrohlicher als körperbehaftete oder virtuelle Viren. Ich wüsste also keinen besseren Ort für meine Gedanken als diese Müllhalde namens Internet. Dort nämlich ist erstens alles da und zweitens weg. (Oder, wie P.G. Wodehouse aus der Bibel, welche als kollektives Organ ein Vorgänger des Internet ist, zu zitieren pflegte: There are wheels within wheels don’t you know). (2010, geändert 2019)

letzte Beiträge: 9. September 2019 (Klugschnecke)