Lang-wei-lig

Am Würstchenstand bei einem Fest vor einem Stadion. Ich erzählte Herrn Hoffmann vom HSV, nachdem er mir gesagt hatte, er kenne den HSV nicht. Ich dagegen kenne Hoffmann nicht und merke erst am Ende, dass er es ist und sage, das werde ich mal in den Matz-ab-Blog schreiben, worauf er den Kopf in die Hände nimmt und sagt, das ist nicht Ihr Ernst. Er sprach zu mir im PR-Ton und wollte seine Ruhe haben. Ich ging zur Bahn; in eine mir fremde Haltestelle, U-Bahn, riesige Halle, alles war verschnörkelt; ich wieder raus, alles übrigens nur in Unterhose, welche eine Tasche am Hintern hatte, aus der ein Tempotaschentuch wie eine Schwanzfeder ragte. Ich konnte mich erst im letzten Moment für eine Straße entscheiden, die nach Haus führte und joggte los. Ich wurde von zwei Joggern überholt, die über mich lachten, und da fiel mir auf, dass ich auf allen Vieren lief. Ich war aber stolz auf diese Nebenbei-Erfindung, weil ich so weniger Kraft verbrauchte. Dann ein kleiner Saal mit Parkett-Fußboden. Ein indischer Afrikaner hielt eine Rede; sie war langweilig und in einem leierigen 3/4-Takt gehalten. F. war es zu langweilig. Er löste sich aus dem Halbkreis der Zuhörer und bewegte sich, im 3/4-Takt schaukelnd, auf den Redner zu, bis er direkt vor ihm stand und glitt dann zu Boden, wo er, nachdem das Wort "lang-wei-lig" aus ihm heraus gefallen war, bewegungslos liegen blieb. Der Redner war während F.’s Antanzens immer leiser geworden, guckte wie ein Kaninchen mit Schlangen-Furcht und verstummte nun auch. F.’s Freundin sagte, das kann man ihm einfach nicht abgewöhnen.
(2010)