Schland am Sonntag

Zu elitär, um Leute zu lesen, die als Buchautoren bezeichnet werden, muss ich meine Kenntnisse über Sarrazin der zweiten Hand entnehmen. Heute (12.9.2010) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, (Artikel "Was schreibt Sarrazin? Eine Handreichung in Thesen", Seite 5 unter dem Thema Politik) wird Sarrazin zitiert:

>>...unsere Nachfahren in 50 oder 100 Jahren sollen "noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen."... "die menschliche Intelligenz ist zu 50 bis 80 % erblich."... Die Deutschen müssen ... "ziemlich rasch und recht radikal ihr Geburtsverhalten ändern, und das heißt, dass die Unterschicht weniger Kinder bekommt und die Mittel- und Oberschicht deutlich mehr als bisher."<<

Passend dazu in dem Artikel "Die Patenkinder der SS" (Seite 16, unter dem Thema Zur Zeit, über eine Frau, die ihre Vergangenheit, in einem Lebensborn-Heim der Nazis geboren zu sein, versucht zu reflektieren) Himmler:

"Heinrich Himmler wollte mit dem 1935 gegründeten Lebensborn-Verein verhindern, dass die "nordische" Rasse ausstarb."

Angesichts der aktuellen Annahme, dass die FAS-Macher so doof nicht sein können, dass sie nicht mit einer Art diebischer Freude zwei so unterschiedliche Personen über die Zukunft der Deutschen (deren eine ja bereits in der Vergangenheit liegt) sich äußern lassen und in Kenntnis der geschichtlichen Tatsache, dass "die Deutschen" den Nazis als die nordische Rasse schlechthin galten, vergleiche ich beider Aussagen und kann den Unterschied nur in der Methode feststellen, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Um kurz einzugehen auf die Freiheit der eigenen Entscheidung, des eigenen "Lebensentwurfes", den man dann sein Leben lang "abarbeitet" und sich wundert, dass auch das dickste Geld nicht die Langeweile vertreiben kann, wie würde Herr Sarrazin wohl auf einen Autor, Verzeihung einen Buchautor, reagieren, der ihm vor hundert Jahren vor-geschrieben hätte, welcher Nation, Verzeihung, welchem Volk Herr Sarrazin sich heute zugehörig fühlen solle und was seine Verkehrssprache zu sein habe?

Da Herr Sarrazin Mitglied der SPD ist, muss sich natürlich auch Frau Nahles, Generalsekretärin, äußern ("Wulf regiert in die Bundesbank" Seite 1):

"Das Buch von Thilo Sarrazin ist ein Buch von oben, das sich gegen die Leute von unten richtet."

Irgendwie auch schön, wenn sich zwei Buchautoren beharken. Sarrazin hat den Blick eines Snobs, der seine Gelassenheit angesichts einer unsicheren Zukunft zu verlieren beginnt. Noch ist er oben, aber leider nicht auf der Höhe, weder seiner Sprache noch einer Kenntnis biologischer und gesellschaftlicher Wissenschaften. Wenn so die Oberschicht aussähe, die sich selbst bisher noch verschämt, nun immer unverschämter als Elite bezeichnet, könnte "Deutschland" nichts besseres passieren als ihr Abgang. Bitte, ein ausgewachsener, angeblich gebildeter Mann, der den Unterschied von Staatsnation und Volk ignoriert, der die Begriffe Intelligenz, Erblichkeit und Prozent in ihrem Zusammenhang noch nicht einmal problematisieren, geschweige denn analysieren oder gar begreifen kann, schreibt darüber in einem Buch, welches sich gegen die Dummen, nicht etwa gegen die Dummheit wendet! Ins Knie geschossen!

Noch eine gute Nachricht: habe auf dem Flohmarkt ein Buch von E. A. Rauter gefunden, kein Buchautor, auch wenn das Buch "Mallorca, das Land hinter der Bühne" heißt. Es gab ja mal diesen albernen Spruch, Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. Ein Autor ist jemand, für den Sprache alles ist und ohne Sprache nichts ist. Einer von denen ist E. A. Rauter, deshalb logischerweise nur noch antiquarisch zu finden. Wenn Sie ihn finden, kaufen Sie.
(Sonntag, 12. September 2010)