Glaube-Hoffnung-Liebe

Ob das dicke Volk, dem anzugehören das Einzige ist, an dem ich vollständig schuldlos bin, oder die schlanke Presse sich von ihrer jeweils schlechtesten Seite zeigen, oder ob beide einfach nur gut einander zuarbeiten, möchte ich nicht beurteilen. Wie sich beide nach der Dame Käßmann (Glaube) und dem Herrn Guttenberg (Hoffnung) gezeigt haben, war schlimm genug. Richtig übel geht man aber - es ist ja nichts Neues - mit seinen Anderen, in diesem Fall Behinderten, um. Frau Lierhaus’ Gehalt soll herhalten als Begründung für Los-Abbestellungen. Habe ich irgendwo, irgendwann schon einmal gesehen oder gehört, dass sich irgendjemand über das Gehalt eines ihrer Vorgänger beschwert hätte? Nein. (Das Gehalt ihres aktuellen Vorgängers soll seriösen Quellen zufolge, soweit es solche in diesem Geschäft gibt, höher als ihr zukünftiges sein). Die Presse informiert, das Volk sabbert: hier erdreistet sich eine, die Mühe hat und sich diese Mühe gibt, klar zu sprechen, einen in der völkischen Beliebtheitsskala ganz oben stehenden Beruf ausüben zu wollen und dafür ein fettes, aber übliches Gehalt zu verlangen. Ja, den Glauben halten wir hoch, die Hoffnung lassen wir nicht sterben, aber die Liebe verlangt zu viel von uns, weswegen wir unsern alten Kaiser Karl-Theodor und sein Pendant Käßmann zurück und ansonsten unsere Ruhe haben wollen.
(März 2011)