Herman Melville, Moby Dick or The Whale

Seit vielen Jahrzehnten eines meiner Lieblingsbücher, las ich es neulich zum ersten Mal auf Englisch. Vorher verglich ich eine neue Übersetzung in einigen Teilen mit einer alten und dem Original. Nach wie vor finde ich die besten Deutsch-Als-Ob-Übersetzungen englischer Sätze bei Asterix.

Bei grundsätzlich wörtlicher Übersetzung bleibt die Fremdheit erhalten. Was kann man tun, die jeweils fremde Sprache uns Nichtkennern verständlicher zu machen? Beim "Eindeutschen" mag die Geschichte bleiben, aber die Geschichte der Sprache und damit ihrer Sprecher wird blank. Gedanken gehen verloren oder werden nicht erkennbar. Was bleibt von der Ironie, die uns so viel Erkenntnis bietet? Beim wörtlichen Übersetzen, was ja nur dank der Verwandschaft beider Sprachen möglich ist, vielleicht aber auch ähnlich zwischen allen Sprachen geht, wenn man die kleinsten Begriffseinheiten als Worte nimmt, entsteht Kuddelmuddel. Das ist fruchtbar. - Plötzlich muss man sich einem Gegenstand durch einen neuen Kanal nähern, man sieht, statt wiederzuerkennen was man nicht kannte. Die normalen Übersetzungen geben uns ein auf verwandt gefärbtes Buch, mal "besser", mal "schlechter". Und oder Aber: besser eine Übersetzung als kein Buch, zumindest in diesem Fall. Das eigene Studium einer fremden Sprache erfordert viel Zeit und Mühe.

"Seat thyself sultanically among the moons of Saturn, and take high abstracted man alone; and he seems a wonder, a grandeur, and a woe. But from the same point, take mankind in mass, and for the most part, they seem a mob of unnecessary duplicates, both contemporary and hereditary."

Nehmt Platz höchstselbst sultanisch unter den Monden des Saturn, und nehmt hoch abstrahiert Mensch allein; und er scheint ein Wunder, eine Erhabenheit und ein Leid. Doch vom gleichen Punkt, nehmt Ihr Menschheit als Masse, und zum größten Teil erscheint sie als Mob unnützer Duplikate, jetzt wie ererbt.

So lese ich das, und das schwierigste Wort ist "hereditary", das in sich Optionen für die Zukunft und die Vergangenheit trägt, das heute, insbesondere durch Fortschritte der Gentheorien, eine andere Färbung, mehr Tiefe bekommen hat, für das ich kein passendes deutsches finde.

"Moby Dick" ist einzige Buch, das ich kenne, in dem eine Predigt zu lesen mir Spaß gemacht hat - halt, in Tristram Shandy gibt es auch eine, aber ich erinnere sie nicht mehr so recht.

Patrick Shea, den ich nicht kenne, hat ein Gedicht geschrieben für jedes Kapitel von Moby Dick. Zum Beispiel dies, für das Kapitel, aus dem obiges Zitat stammt: feed://callmeishmael.org/tag/identity/feed/

(Juli 2013)