Volksjournaille

In einer Glosse namens Zwischenruf, "Von der Mö zum OB" von Hans Wacker, Hamburger Abendblatt vom 9.11.2011 anlässlich der versuchten Umbenennung der Straße Dammtor in "Opernboulevard am Dammtor" stand folgender Satz:

"Die Mönckebergstraße hat Volkes Stimme bereits auf Mö reduziert."

Die Satzstellung ist doppeldeutig; die nicht gemeinte Bedeutung, die Mönckebergstraße hätte es geschafft, das Volk nur noch "Mö" stammeln zu lassen, ist mir sympathisch.

Die gemeinte Bedeutung, dass das hamburger Volk den Namen Mönckebergstraße nur noch verkürzend "Mö" ausspricht, ist eine Phantasie des Autors. Sein Verein, die Journaille, hat erfolglos versucht, diese Reduzierung herbeizuschreiben. Diese Erfolglosigkeit ignorierend, bricht sich die Sehnsucht Bahn, Stimme des Volkes zu sein, wenigstens mit dieser einen Banalität. Denn die Journaille weiß so gut wie sie es ignoriert, dass sie hier - und bei Springer besonders - nicht die Stimme des Volkes sein darf. Sie darf nicht der Vernunft des Volkes Ausdruck verleihen und im Allgemeinen auch nicht Pöbels Stimme sein. Sie muss nur den Raum zwischen den Anzeigen füllen und nebenbei das Volk erziehen, sich in den Löchern des Kapitals einzurichten, eine abstumpfende und immer dümmer machende Arbeit.
(Juli 2013)