Viktor Šklovskis Sentimentale Reise

Zu dem Buch, welches ein gewisses Verständnis der heutigen Situation in Afghanistan, Iran, Irak, Kurdenland erzeugt, und, etwas respektlos gesagt, zu meinen ewigen Top Ten gehört, vielleicht später mehr. Hier nur zwei Zitate über Kunst und Ironie:

"Unter dem Begriff "Ironie" verstehe ich hier nicht "Spott", sondern den Prozeß der gleichzeitigen Wahrnehmung zweier einander widersprechender Phänomene oder die Einordnung ein und desselben Phänomens in zwei verschiedene semantische Kategorien." (Viktor Šklovskis Sentimentale Reise, Insel Verlag 1964, S. 330)

"Im Grunde genommen ist die Kunst ironisch und destruktiv. Sie belebt die Welt. Ihre Aufgabe ist, Ungleichheiten zu schaffen" (dass., S. 321)

Viel heutige Literatur zielt auf Wirkung, traut sich aber nicht, Wirkung erzeugen zu wollen. Deshalb hat das, was heute als Ironie daherkommt, kaum etwas mit der obigen, geradezu alleinseligmachenden Definition zu tun, und kann getrost in die Tonne getreten werden.

Viktor Šklovski (1893 - 1984) war zu russischen Revolutionszeiten Armeekommissar an der Südwestfront und in Persien, stand den Sozialrevolutionären nahe und wurde später Literaturwissenschaftler. Er entwickelte das Konzept der Verfremdung, welches wir oft mit Brecht verbinden.

(August 2013)